
Abschied von Martin Parr – ein großer Verlust für die Fotografie
Am 6. Dezember 2025 ist Martin Parr im Alter von 73 Jahren in seinem Zuhause in Bristol gestorben — ein Verlust, der weit über die Fotografie-Szene hinaus spürbar ist. (The Guardian)
Parr war einer der einflussreichsten Dokumentarfotografen unserer Zeit: Seine farbintensiven, oft ironischen, dabei ehrlichen und ungeschönten Bilder des britischen Alltags machten ihn weltberühmt. (DIE ZEIT)
Sein fotografisches Erbe: Alltag, Gesellschaft und Menschlichkeit
- Parrs Fotografien erzählten vom Alltagsleben — von Urlaubern am Strand, von Familien bei Ferienaufenthalten, von Menschen beim Shoppen oder beim Warten auf ihr Essen. Diese Szenen mögen banal wirken, doch Parr zeigte: Gerade im Gewöhnlichen steckt die Wahrheit unserer Gesellschaft. (The Guardian)
- Mit seinem Stil — grellen Farben, direktem Blitzlicht, teils mit Humor, teils mit scharfer Gesellschaftskritik — brachte er Dokumentarfotografie in eine neue Ära. Er zeigte soziale Klassen, Konsum, Freizeit, Gemeinschaft — ungeschönt, ungeschminkt, echt. (The Guardian)
- Seine Sicht auf die Welt war zugleich liebevoll und kritisch: Er wollte nicht moralisieren, sondern beobachten — „seriöse Fotografien, getarnt als Unterhaltung“, wie er es selbst einmal formulierte. (The Guardian)

Warum Martin Parr auch für meine Hochzeits- und Reportagefotografie wichtig war
Als Hochzeitsfotograf versuche ich, nicht nur den „Schönheitsmoment“ einzufangen — sondern echte, authentische Geschichten: Menschen, Emotionen, Gemeinschaft, Kultur, Rituale.
Parrs Ansatz ist für mich richtungsweisend, weil:
- Er gezeigt hat, dass das Alltägliche — oder das, was für andere trivial wirkt — Fotografie mit Bedeutung sein kann. Das gilt auch für Familienfeste, Hochzeiten und Feierlichkeiten: Sie sind oft Spiegel gesellschaftlicher Werte, von Kultur, Herkunft und Gemeinschaft.
- Sein Augenmerk auf Authentizität und soziale Realität bestärkt mich in meinem Wunsch, dokumentarisch zu arbeiten — mit ehrlicher Stimmung, echten Momenten und ohne übertriebene Inszenierung.
- Seine Bildsprache inspiriert mich hinsichtlich Komposition, Farbgebung und Gestaltung: Selbst einfache Szenen werden mit dem richtigen Blick zu Statements und Erinnerungen.
Insofern fühlt sich mein fotografisches Arbeiten mit Reportagen und Hochzeiten wie eine indirekte Hommage an Parrs Denkweise an: Ich möchte Geschichten erzählen, nicht nur Bilder machen.
Drei Fotobücher von Martin Parr, die du unbedingt kennen solltest 📚
Wenn du Parrs Werk (noch) nicht kennst — oder dich neu inspirieren lassen willst — sind diese drei Bücher eine hervorragende Einstiegwahl:
- The Last Resort — Parrs Durchbruch: Eine schonungslose und farbenprächtige Dokumentation der britischen Working- und Lower-Middle-Class im Urlaub. Ein Klassiker der modernen Dokumentarfotografie. (The Guardian)
- The Cost of Living — Betrachtungen von Alltag, Konsum und gesellschaftlichen Zwischentönen: ein sorgfältiges fotografisches Porträt von Lebenswirklichkeiten. (ANSA.it)
- Small World — Parrs Licht auf Konsum, Tourismus und Globalisierung: seine Arbeit wird damit universell — und öffnet den Blick auf das moderne Miteinander. (The Guardian)

Meine persönliche Hommage – und ein Ausblick
Der Tod von Martin Parr macht mir bewusst, wie wertvoll Fotografien sind – nicht nur als Momentaufnahmen, sondern als visuelle Zeugnisse unserer Gesellschaft. Seine Bilder fordern, unterhalten und zeigen zugleich.
Für mich als Fotograf bedeutet das: Ich möchte weiter dokumentarisch arbeiten — mit dem Blick für Details, für Stimmung, für das, was oft übersehen wird. Ich möchte gesellschaftliche und kulturelle Aspekte von Feiern und Zusammenkünften festhalten — so echt und ehrlich wie möglich.
Und ich hoffe, dass Parrs Werk uns alle daran erinnert: Fotografie kann mehr sein als nur Ästhetik — sie kann Reflexion, Erinnerung und Teil eines größeren Bildes sein. Weitere meiner Artikel findet ihr auf meinem Blog.




