Jeff Bezos Hochzeit in Venedig: Kann Geld Kultur kaufen?

Seit über zehn Jahren begleite ich als Hochzeitsfotograf Paare an ihrem wichtigsten Tag. Ich habe alles gesehen: von intimen Zeremonien im Wald bis hin zu opulenten Festen in historischen Schlössern. Mein Job ist es, Ästhetik, Emotionen und den „Geist“ eines Ortes einzufangen. Doch was sich kürzlich in Venedig abspielte, lässt mich – sowohl als Profi als auch als Mensch – fassungslos zurück. Die Rede ist von der Bezos Hochzeit.

Venedig, die Stadt der Liebe, ein fragiles Kunstwerk aus Stein und Wasser, wurde zur bloßen Kulisse degradiert. Was wir dort beobachten konnten, war keine Feier der Liebe, sondern eine Machtdemonstration des Tech-Feudalismus, die einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt.

Die Stadt als Spielwiese: Rücksichtslosigkeit im großen Stil

Wenn Jeff Bezos und Lauren Sánchez rufen, scheint die Welt stillzustehen – oder besser gesagt: Sie wird beiseitegeschoben. Für die Bezos Hochzeit wurde gefühlt die halbe Stadt okkupiert. Hubschrauber knatterten über die historischen Dächer, Privatjets und Motorboote pflügten durch die Lagune, ohne Rücksicht auf die ohnehin bedrohte Substanz dieser wunderschönen Stadt zu nehmen.

Als Fotograf schmerzt es mich zu sehen, wie ein Ort mit einer so tiefen kulturellen Seele zur reinen „Spielwiese der Reichen“ verkommt. Es herrschte eine gefühlte Gleichgültigkeit gegenüber der Natur und der Geschichte. Wer genug Geld hat, scheint zu glauben, er könne sich über die Empfindsamkeit eines Ortes wie Venedig hinwegsetzen. Das alte Europa ist hier nicht mehr als eine hübsche Fotowand für die High Society.

Inszenierung statt Intimität

Eine Hochzeit sollte im Kern ein privater Moment sein. Doch die Bezos Hochzeit fühlte sich an wie ein durchgetaktetes PR-Event. Kaum war das Ja-Wort gesprochen, fluteten Fotos die sozialen Medien. Selbst die Vogue, die ich eigentlich für ihren Sinn für Stil schätze, griff die Bilder sofort auf.

Dabei war die Inszenierung fast schon grotesk. Wenn man die Gästeliste liest – von den Kardashians über Trump-Kinder bis zu einem sich unter einem Basecap versteckenden Leonardo DiCaprio –, erkennt man das Muster: Es geht um Sehen und Gesehenwerden. Der Fokus lag nicht auf dem Paar, sondern darauf, wer die exklusivsten Gäste und das teuerste Budget vorweisen kann. Es ist ein Wettrüsten der Dekadenz.

Ein kritischer Blick auf die Ästhetik: Kann man Geschmack kaufen?

Als Fotograf schaue ich natürlich besonders auf die Optik. Und hier bewahrheitet sich ein alter Spruch: Geschmack kann man nicht kaufen. Die ZEIT titelte treffend, dass sich hier ein „ästhetisches Hufeisen“ schließt. Auf der einen Seite der unfassbare Reichtum, auf der anderen eine visuelle Gestaltung, die viele Beobachter ratlos zurückließ.

Vom „angsteinflößendsten Smoking“, den man sich vorstellen kann, bis hin zu Lauren Sánchez’ goldener Schiaparelli-Robe, die eher an eine Kostümierung als an zeitlose Eleganz erinnerte – das Ganze wirkte laut und schrille. Es scheint, als hätten die Superreichen das Bedürfnis verloren, durch kulturelles Kapital zu glänzen. Es reicht ihnen, zu zeigen, dass sie reicher sind – nicht, dass sie einen besseren Geschmack haben. Der Kontrast zu diskreteren Hochzeiten, wie etwa der von Alex Soros und Huma Abedin, die fast zeitgleich stattfand, könnte nicht größer sein. Dort herrschte Couture-Eleganz hinter verschlossenen Türen; bei der Bezos Hochzeit herrschte protzige Transparenz.

Mein Fazit als Hochzeitsfotograf

Nach 10 Jahren in dieser Branche weiß ich: Die schönsten Hochzeiten sind die, bei denen das Paar den Raum und die Kultur, in der sie feiern, ehrt. Die Bezos Hochzeit in Venedig war das Gegenteil. Sie war laut, sie war rücksichtslos gegenüber der Umwelt und sie war ästhetisch ein fragwürdiges Spektakel.

Wenn die Liebe nur noch als Vehikel für maximale Selbstdarstellung und die Demonstration von Marktmacht dient, verliert sie ihren Zauber. Venedig hat etwas Besseres verdient als eine bloße Statistenrolle in einem Milliardärs-Märchen, dem es an Herz und echtem Stil fehlte.

Quellen: ZDFheute, DIE ZEIT Nr. 28/2025, Spiegel TV

Was denkt ihr? Ist so viel Prunk noch zeitgemäß oder einfach nur respektlos gegenüber der Umwelt und der Kultur? Schreibt mir gerne eure Meinung. Falls ihr auf der Suche nach echten und natürlichen Hochzeitsfotos seid dann schaut euch gerne mein Portfolio an und schreibt mir über unser Kontaktformular.

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