Erst kein Glück und dann noch Pech

„Mit jeder Geschichte habe ich ihn immer weniger gemocht.“

Kennengelernt haben wir uns ganz unbeabsichtigt. Nach meinem 18. Lebensjahr bin ich wegen des Studiums nach Nürnberg gezogen. Da ich die jüngste meiner Geschwister und das einzige Mädchen dazu war meine Mutter krank vor Sorge. Ich sollte daher alle zwei Wochen Kontrollbesuche bei ihrer alten Bekannten abstatten, ob nun auch wirklich alles mit mir in Ordnung sei. Bei den Treffen erzählte mir die Bekannte regelmäßig von ihrem Sohn; was für ein guter Bub das sei, wie toll und schlau und einzigartig er sei.

Ich war äußerst unbeeindruckt und habe mir dabei immer einen kleinen, dicklichen Jungen mit kondensmilchigen Haaren vorgestellt und war so sicher, dass ich ihn nie mögen würde. Mit jeder Geschichte mochte ich ihn immer weniger und weniger. Nach einem halben Jahr kam der Sohn dann schließlich seine Eltern in seiner alten Heimat besuchen. Anlässlich seines Besuches lud mich die Familie zum Essen ein. „Nur bitte sei pünktlich“ hieß es damals. „Christian mag es gar nicht, wenn man zu spät kommt. Und Herrenhemden und Jeans mag er übrigens auch nicht.“ Ich ignorierte es gekonnt. Und so wie es sein soll, verpasste ich an dem Abend natürlich die Straßenbahn und kam gewaltig zu spät. Und weil es damals „in“ war, trug ich dazu noch ein gebundenes Herrenhemd und eine Jeans.

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Ich habe mir damals gedacht, dass ich es denen richtig zeigen werde. Blöd nur, dass mir nicht ein kleiner, dicklicher Junge die Tür aufmachte, sondern ein großer, schmaler Mann mit grünen Augen und dunklem Haar. Das kann er nicht sein hab ich mir damals gedacht. Natürlich war ich hin und weg auch der gesamte Abend verlief fantastisch. Als ich zu Hause ankam, weiß ich noch wie ich da saß und diese geblümte Rosentapete anstarrte und mir dachte: „Das ist er.“ Ihm schien es wohl genauso ergangen zu sein, denn wir kamen relativ schnell zusammen.

„Was machst du eigentlich am zwanzigsten September?“

Fragte mich Christian nach ein paar Jahren. Ich war verwundert, schließlich konnte ich noch nicht sagen wie meine Pläne im Herbst aussahen, wir hatten gerade mal Frühling. „Dann können wir ja heiraten.“ Um ehrlich zu sein, hätte ich mir einen romantischen Heiratsantrag erträumt. Mit Rosen, großen Diamanten und pompöserem Auftritt. Das war alles andere als romantisch.

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Bei der Hochzeit ging alles schief, was nur schief gehen konnte. Angefangen hat es damit, dass unsere Freunde uns einen Abend vor der standesamtlichen Trauung einen Kanister Federweißen geschenkt haben. Wir Blödmänner haben den tatsächlich ausgetrunken. Völlig betrunken sind wir im Standesamt erschienen. Wie wir erschienen sind, ist eine andere Sache und wie wir überhaupt fähig waren, uns in dem Zustand trauen zu lassen ist auch recht fragwürdig. Tatsache ist, wir waren beide absolut nicht geschäftsfähig und haben nicht bewusst unterschrieben (lacht).

„Bei der Hochzeit ging alles schief was nur schief gehen konnte“

 Auf halber Strecke zu der Hochzeit fiel meinem Mann ein, dass er sein Hemd vergessen hatte. Wir kehrten um, nahmen das Hemd und fuhren mit dem Auto wieder Richtung Hochzeit. Auf selber Strecke fiel mir nur dann plötzlich auf, dass ich meinen Brautstrauß habe liegen lassen. Wieder zurück. Derweil warteten alle Gäste bereits. Um die Gäste zu bespaßen, hatte meine Mutter ein musikalisches Duo engagiert. Nur war der Geigenspieler leider ein 9-Jähriger mit drei Stunden Geigenerfahrung, der die gesamte Zeit dasselbe Stück spielte, um die Zeit zu überbrücken.

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Als wir dann letzten Endes ankamen, völlig zu spät empfing uns der Pfarrer mit der nächsten Überraschung. Er beschrieb die tiefe Traurigkeit bei der Familie Raabe, beschrieb die Einsamkeit der Partnerschaft, sprach über misslungene Kommunikation und das Auseinanderleben. A hatte er das Thema verfehlt, B hatte er die falsche Familie. Wir waren nicht die Familie Raabe und es dauerte ein Weilchen, bis wir realisierten, dass er uns auf den falschen Namen traut.

Nur leider blieb es nicht bei dem Fauxpas; meine Mutter hatte ohne meine Kenntnis die Hochzeitsschuhe zum Schuster gebracht und den Absatz kürzer machen lassen weil sie die in der Größe viel zu hoch und zu unanständig fand. Die gesamte Hochzeit fiel es mir schwer Gleichgewicht zu halten, immer bin ich nach hinten gekippt, weil die Absätze so uneben waren.

Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass die Hochzeit ein einziges Desaster war.

Oder anders gesagt es ist so ziemlich alles schief gelaufen, was nur schief laufen konnte. Inzwischen kann ich aber darüber lachen. Und nichtsdestotrotz hat unsere Liebe bis heute, nach 19 Jahren gehalten. Noch heute denke ich „Er ist es“ wenn ich meinen Mann sehe.

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About Maria

Nach ihrem Studium in Multimedia und Kommunikation arbeitet Maria als freie Autorin in Berlin. Für www.eshatklickgemacht.de schreibt sie über ganz viel Nützliches und alles was das Herz begehrt. View all posts by Maria

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